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Kyūdō – Bogenschießen als Zen oder Kampfkunst?

Kyūdō Zeremonie in Japan

Kyūdō, das bedeutet „Weg des Bogens“ in der japanischen Sprache und beschreibt die traditionelle japanische Kampfkunst des Bogenschießens, die durch seine langsamen Bewegungen und eindrucksvollen Gewänder auf sich aufmerksam macht. Heute wird sie häufig mit dem Zen Buddhismus in Verbindung gebracht. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass es keineswegs eine reine Meditationsübung, sondern auch die Kunst des Bogenschießen ist. Es geht tatsächlich nicht mehr darum, ein bestimmtes Ziel zu treffen. Vielmehr ist Kyūdō ein Mittel zum Erreichen vollkommener Gelassenheit durch geistiges und körperliches Training und die volle Konzentration auf den Akt des Schießens. Wir stellen euch die spannende Kampfkunst vor, denn wer träumt nicht von totaler Entspannung?

Reijiro Wakatsuki (Unknown author, Reijiro Wakatsuki, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons)

Geschichte und Entwicklung von Kyūdō

Aus den Waffentechniken der Samurai entwickelte sich im 16. Jahrhundert die klassische Kunst des Bogenschießens, welche zunächst unter dem Namen Kyūjutsu, (“Die Technik des Bogens”) bekannt war. Langezeit als Distanzwaffe im Kampf benutzt, verlor Kyūdō mit der Erfindung der Schusswaffe zunehmend an Bedeutung für die Kriegsführung. Doch für die Jagd, zum Sport und für offizielle Zeremonien an Japans Höfen wurde die Kampfkunst fortgeführt. Da Kyūdō auch weiterhin Teil der Ausbildung zum Samurai blieb, konnten die gesammelten Erkenntnisse bewahrt und die Kunst erhalten und weiterentwickelt werden. Immer mehr traten spirituelle und geistige Aspekte in den Vordergrund und die Kampfkunst wurde zunehmend zum Mittel der persönlichen Weiterentwicklung. Besonders von Zen-Mönchen und einigen Mitgliedern der japanischen Oberschicht wurde sie als geistige und körperliche Disziplin beibehalten.

(Foto: Unknown author, Reijiro Wakatsuki 01, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons)

Kyudo Bogenschießen

Stile und Ablauf der Kampfkunst

Beim heutigen Kyūdō kann grob in zwei verschiedene Ströme unterschieden werden. Beim Shomen-Stil wird besonders auf Eleganz Wert gelegt. Im Shamen-Stil dagegen liegt der Fokus auf der Schießtechnik. Die früheren kriegerischen oder zeremoniellen Verwendungen erklären diese unterschiedliche Entwicklung der Stile.

Sowohl der traditionell 2,3m lange, asymmetrische Bogen als auch die Pfeile werden von Hand aus Bambus und Holz hergestellt. Der oder die Kyūjūtsushi (Bogenschütz*in) benötigt eine besondere Schießtechnik, die ein intensives Training erfordert. Die acht festen Bewegungsabläufe führend schließlich zur Freigabe des Pfeils und sind dabei genau koordiniert und sowohl Körperhaltung als auch Spannung müssen präzise sein.

Daibutsu Statur: Kyūdō wird oft mit dem Zen-Buddhismus in Verbindung gebracht.

Kyūdō heute

Durch Wettkämpfe und Prüfungen kann das Niveau der Schützen überprüft und verbessert werden. In den zahlreichen Kyūdō-Schulen können sowohl Männer als auch Frauen ihre ästhetische Darstellung, Ausstrahlung und die Treffsicherheit verbessern. Anstelle von Muskelkraft kommt es vor allem auf eine sensible Bewegungskoordination an.

Im Verlauf der vergangenen 100 Jahre hat sich das Kyūdō stark gewandelt. Die Neigung zur Demokratisierung des Sports zeigt sich mit den Jahren immer deutlicher, da Japan selbst politische und soziale Veränderungen durchläuft. Doch immer wieder werden die älteren, religiösen oder philosophischen Grundlagen wieder in den Vordergrund gerückt.

Auch in Deutschland habt Ihr übrigens die Möglichkeit, die Kunst des Kyūdō zu erlernen. Der Deutsche Kyudo-Bund e.V. vermittelt auf seiner Webseite Kontaktdaten der Landesverbände und hat auch in diesem Jahr Meisterschaften abgehalten.

Hier könnt ihr euch den Ablauf des kyūdō in einem Video von „Athena“ anschauen.

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