Die Chinesische Mauer – kaum ein Bauwerk ist so bekannt und doch von so vielen Missverständnissen umgeben. Man sagt, sie sei das einzige von Menschenhand geschaffene Bauwerk, das man aus dem All sehen kann (Spoiler: Das stimmt so nicht). Aber das ändert nichts an ihrer gewaltigen Präsenz. Wer zum ersten Mal auf einem ihrer Abschnitte steht und die steinernen Wellen in die Ferne ziehen sieht, spürt sofort: Hier war Geschichte am Werk. Und zwar in epischem Ausmaß.
Diese Reise zur Chinesischen Mauer ist nicht nur ein Ausflug zu einer Sehenswürdigkeit – sie ist eine Zeitreise durch Dynastien, durch Jahrhunderte der Verteidigung, Macht und kultureller Identität. Bei jeder Chinareise – egal ob Gruppenreise oder individuell – gehört sie ganz oben auf die Liste der Erlebnisse, die Du Dir nicht entgehen lassen solltest.
Geschichte der Chinesischen Mauer
Die ersten Schutzwälle in Nordchina entstanden bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. Verschiedene chinesische Staaten errichteten damals Barrieren, um sich gegen nomadische Stämme zu schützen. Der erste große Zusammenschluss erfolgte unter Qin Shi Huangdi, dem ersten Kaiser Chinas, um 221 v. Chr. – aus dieser Zeit stammt der Mythos des „großen Anfangs“.
Doch die Mauer, wie wir sie heute größtenteils sehen, entstand viel später: unter der Ming-Dynastie (1368–1644). In dieser Zeit wurde sie systematisch ausgebaut, mit Wachtürmen verstärkt und aus Stein und Ziegeln errichtet. Ziel war es, das Kaiserreich vor Angriffen aus dem Norden – vor allem durch Mongolenstämme – zu schützen. Über 2.000 Jahre hinweg wurde gebaut, verstärkt, aufgegeben und restauriert. Die Mauer ist ein Symbol für Durchhaltevermögen, strategisches Denken und natürlich auch für den Schutz vor dem Unbekannten.

Aufbau der Chinesischen Mauer: Zahlen, Fakten und Faszination
Wer denkt, die Mauer sei eine durchgehende Linie, wird überrascht sein: In Wahrheit ist sie ein Netzwerk aus Wällen, Türmen, Festungen und Passanlagen, das sich über mehr als 20.000 Kilometer erstreckt – quer durch Berge, Wüsten und Täler.
- Gesamtlänge: ca. 21.196 km, Hauptmauer 2.400 km
- Höhe: im Schnitt 6–8 Meter, an manchen Stellen bis zu 12 Meter
- Breite: meist etwa 4–5 Meter – breit genug für fünf Reiter nebeneinander
- Wachtürme: Über 40.000 Türme, die als Signalanlagen und Aussichtspunkte dienten
- Verlauf: Vom Chinesischen Meer im Osten bis zur Wüste Gobi im Westen
Die Mauer war nicht nur ein physischer Schutzwall, sondern auch ein ausgeklügeltes Kommunikationssystem. Über Rauch- und Feuersignale konnten Nachrichten blitzschnell über Tausende Kilometer übermittelt werden – lange vor dem Smartphone-Zeitalter.
Die sehenswertesten Punkte der Großen Mauer
Nicht alle Abschnitte sind gleich – einige wurden restauriert, andere sind fast naturbelassen oder auch verfallen. Diese Orte solltest Du auf dem Schirm haben:
1. Badaling
Nur etwa 70 km von Peking entfernt und sehr gut restauriert – perfekt für einen Tagesausflug. Dank Rampen und Aufzüge auch für weniger fitte Besucher geeignet.
Aber: oft sehr voll. Daher möglichst Feiertage, Wochenenden und die Sommerferien im August meiden.

2. Mutianyu
Ebenfalls nahe Peking, landschaftlich traumhaft gelegen, mit weniger Trubel als Badaling. Seilbahn und Rodelbahn inklusive!
3. Jinshanling bis Simatai
Ein Muss für Wanderfreunde! Der rund 10 km lange Abschnitt ist halb restauriert, halb original, bzw. auch verfallen – der perfekte Mix aus Geschichte und Natur. Der Weg ist anspruchsvoll, aber lohnend. In Jinshanling kann man mit einer Seilbahn auf die Mauer fahren.

4. Jiayuguan
Im äußersten Westen – das „Ende der Mauer“ in der Wüste Gobi. Eine beeindruckende Festung mit einem Hauch von Wildwest-Atmosphäre.
5. Huanghuacheng
Ein besonders fotogener Abschnitt, da die Mauer hier teilweise ins Wasser taucht. Ideal für alle, die das Außergewöhnliche suchen – und nicht nur das Klassische.
Persönliche Empfehlungen
Wähle Deinen Abschnitt bewusst: Wenn Du gut zu Fuß bist, nimm die Wanderroute Jinshanling–Simatai. Für bequemere Tagesausflüge sind Mutianyu oder Badaling besser geeignet.
Früh aufstehen! Gerade an populären Stellen ist es am frühen Morgen deutlich ruhiger und stimmungsvoller.
Nimm Dir Zeit: Die Mauer ist kein „Abhak-Ort“. Lass Dir die Zeit, die Weite, die Geschichte und die Landschaft wirklich auf Dich wirken.
Packe Snacks, Wasser und Sonnenschutz ein – viele Abschnitte sind abgelegen und bieten keine Infrastruktur.
Zieh gute Schuhe an: Viele Stufen sind unregelmäßig, rutschig oder steil – mit Turnschuhen oder Wanderschuhen bist Du sicherer unterwegs.

Reisetipps und beste Besuchszeit
Anreise
Die meisten Besucher starten von Peking aus. Die gut ausgebauten Abschnitte (Badaling, Mutianyu) erreichst Du in 1–2 Stunden mit dem Bus, Taxi oder einer organisierten Tour. Für abgelegenere Stellen wie Jinshanling solltest Du eher einen Tagesausflug oder sogar eine Übernachtung einplanen.
Beste Reisezeit
Die ideale Reisezeit ist Frühling (April–Juni) und Herbst (September–Oktober). Dann ist das Wetter angenehm mild, die Sicht klar und die Farben – ob blühende Landschaften oder buntes Laub – besonders beeindruckend. Im Sommer ist es heiß und voll, im Winter zwar leer, aber oft eisig und glatt.
Barrierefreiheit
Einige Abschnitte wie Badaling sind mit Rampen, Seilbahnen und Toiletten für mobilitätseingeschränkte Besucher gut erschlossen. Mutianyu ist ebenfalls relativ zugänglich. Wer mehr sehen möchte, sollte sich auf Höhenunterschiede und Treppen einstellen.
Eintritt und Organisation
Die Eintrittspreise liegen meist zwischen 30 und 60 Yuan (ca. 4–8 €), Seilbahn- oder Shuttlefahrten kosten extra. Viele Abschnitte kannst Du auf eigene Faust besuchen, aber eine geführte Tour (z. B. mit deutschsprachigem Guide) bietet spannende Hintergrundinfos.
China: Höhepunkte von Peking bis Hongkong
Die 14-tägige Reise führt nicht nur in die Metropolen Peking, Shanghai und Hongkong, sondern auch zu fünf UNESCO Weltkulturerben – u.a. der Chinesischen Mauer – und faszinierenden Landschaften.

Yangtze
Die Reise führt nach Peking und Shanghai, zur Großen Mauer und der Terrakotta-Armee, zu Reisterrassen und dem Yangtze-Fluss.
